Datum:
28.01.2025
„Meet the Makers“, Episode #23 – Prof. Betty Schimmelpfennig
Autor:
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In der Filmreihe „Meet the Makers“ (Kampagne „Hessen Schafft Wissen“ im Auftrag des Ministeriums für Wissenschaft und Kunst) stellen wir Menschen vor, die an hessischen Hochschulen arbeiten und ihre Themen mit Überzeugung und Leidenschaft vertreten – In Episode #23, Betty Schimmelpfennig: Sie ist Professorin für Crossmediale Gestaltung sowie Managing Partner/Co-Founder von Elastique. und realisiert interdisziplinäre Arbeiten an der Schnittstelle von analog und digital – mit dem Menschen im Zentrum zwischen realen und virtuellen Aggregatzuständen und Kipppunkten. Sie beschäftigt sich u. a. mit der Frage, wie Gestaltung über verschiedenste Medien hinweg sinnstiftend funktionieren kann und welche neuen Arbeits- und Denkweisen daraus entstehen. Ihre Arbeiten sind vielfach ausgezeichnet. Sie engagiert sich u. a. in Jurys und als Mentorin im ADC und DDC.
F Was reizt dich an deinem abwechslungsreichen Leben?
A Was mich total reizt, ist dieses zwischen den Welten sein, mich nicht festlegen zu müssen, überall mal reinschauen zu können in ganz unterschiedliche Bereiche und dann vielleicht auch Dinge zu verbinden, die auf den ersten Blick gar nicht zusammengehören. Das finde ich spannend!
FWenn du dich bitte kurz vorstellen kannst!
AIch bin Betty Schimmelpfennig, Professorin für Crossmediale Gestaltung an der Hochschule RheinMain im Studiengang Kommunikationsdesign.
FWas begeistert dich?
AIch bin ein visueller Mensch: Gestaltung, Ästhetik, starke Visuals – Da geht mein Herz auf! Hier suche ich eigentlich immer das Besondere, Kontraste, vielleicht auch Kipppunkte, wo das Gehirn auf die Suche gehen kann, wo auch Reibung entsteht.
Die Macher:innen an den hessischen Hochschulen und Universitäten im Portrait:
Ich habe dabei gerne den Blick auf das große Ganze – fliege da so drüber und schaue mir an, wo an Schnittstellen neue Dinge entstehen. Was ich besonders mag, ist diese Unruhe, diese Rastlosigkeit, die von Innovation und neuen Technologien ausgeht, weil da so viel Entwicklung drin steckt.
F Was macht gutes Design, gute Gestaltung für dich aus?
ADesign bzw. Gestaltung kann so viel: Orientierung geben, Erklären, emotional und spielerisch sein, Sinn und Identität stiften und Veränderung bewirken. Und Freude! Das finde ich ganz wichtig! Ich denke, dass man in jedem Thema etwas finden kann, das spannend ist für einen selbst. Ich finde es toll, wenn die Studierenden ihre Perspektive auf die Dinge thematisieren – Das überrascht mich und da ist meistens auch viel Persönliches dabei, was eben auch Emotionalität fördert und eine ganz andere Sicht auf die Dinge ermöglicht.
FWelche Bedeutung hat Emotionalität für dich? Wie wichtig ist sie im Rahmen von gestalterischen Ansätzen?
AFür mich müssen Arbeiten eine gewisse Emotionalität haben, damit sie mich berühren. Wenn das nicht funktioniert, dann ist es für mich auch keine gute Arbeit, egal, wie toll sie vielleicht handwerklich gemacht ist oder wie toll da wieder ein neues Medium eingesetzt wurde. Ich hinterfrage eigentlich alles, mir ist wichtig, dass die Studierenden bewusst gestalten, damit eine Reflexion stattfindet. Das finde ich gut!
Für mich müssen Arbeiten eine gewisse Emotionalität haben, damit sie mich berühren. Wenn das nicht funktioniert, dann ist es für mich auch keine gute Arbeit, egal, wie toll sie vielleicht handwerklich gemacht ist oder wie toll da wieder ein neues Medium eingesetzt wurde.
FWelche Möglichkeiten bietet das Studium den Studierenden?
AFür die Studierenden ist das Studium natürlich in dem Sinne einfach toll, weil sie sich ausprobieren können in einem safe-space, sie können sich finden. Das sehe ich als eine meiner wichtigsten Rolle, mit ihnen auf „Entdeckungsreise“ zu gehen und herauszuarbeiten und zu fördern, wer sie sind. Das ist etwas, was ich sehr gerne mache! Also einen Teil des Weges mit ihnen gemeinsam zu gehen.
FWie sieht dein Leben aus? Skizziere kurz einen Einblick.
AMein Leben spielt sich ja gerade an zwei Orten gleichzeitig ab – Zum einen an der Hochschule in Wiesbaden, zum anderen hier in Köln, wo ich mit meiner Familie lebe, mit meinen beiden Töchtern und meinem Mann Andreas.
Mit ihm habe ich vor fast 19 Jahren die Agentur Elastique. gegründet. Und ja, es ist ein volles Leben! Meine größte Herausforderung ist, immer wieder alles unter einen Hut zu bekommen, diese drei Bereiche – Familie, Lehr und Praxis und ich bin jemand, die einen sehr hohen Anspruch an sich hat. Da fällt auch mal das eine oder andere runter und das ist, glaube ich, meine persönliche Herausforderung, das zu akzeptieren und damit umzugehen – Positiv!
FWas kannst du zum Frauenanteil im Studium und der späteren Berufsrealität sagen? Wie geht die Agentur Elastique mit dem Thema um?
ABei uns im Studiengang Kommunikationsdesign ist der Großteil der Studierenden weiblich. Wenn wir dann das Ganze später im Berufsleben anschauen, in Agenturen zum Beispiel, ist es in den Führungsetagen genau andersherum, immer noch. Das ist sehr schade und ich ermutige auch die Studentinnen dazu, wirklich fester aufzutreten, sich der Dinge auch anzunehmen. Da muss auf jeden Fall noch einiges passieren! Bei uns bei Elastique. haben wir ein sehr diverses Team, das ist sehr ausgeglichen in diesem Punkt. Worauf wir besonders stolz sind, ist, dass das Leadteam fast ausschließlich aus Frauen besteht!
FWie entziehst du dich am liebsten der digitalen Welt?
AIch lebe ja schon sehr in der digitalen Welt und da brauche ich einfach diesen Ausgleich. Das passiert dann in der Familie, im Urlaub oder mal am Wochenende, wo wir rausfahren und ich genieße das sehr, einfach mal in den Tag reinzuleben. Was ein großer Luxus für mich ist, ist das Gehen, weil das so schön die Geschwindigkeit rausnimmt, um mal ohne Verpflichtungen einfach über Dinge nachzudenken, ganz in Ruhe.
FWie gefällt dir dein (berufliches) Leben?
AIch mag meine beiden Berufe wirklich sehr, das, was damit einhergeht – die Haltung, die Menschen, die Offenheit, das Spielerische. Ich bin sehr dankbar, dass ich das mit meinem Privatleben so verbinden kann und auch, dass meine Familie das so supportet.
FGib einen Ratschlag, der sich auf dein eigenes Leben anwenden lässt?
AWenn man etwas findet, was einen wirklich begeistert und erfüllt, dann ist das Leben sehr viel einfacher! Ich werde weiterhin meiner Intuition folgen und das Emotionale ganz nach oben stellen.