Datum:

03.03.2026

Die Schaltzentrale des Studiengangs

Autor:

Tim Siegert

Kaum ein Raum auf dem Campus hat so viel Durchlauf wie das Sekretariat. Studierende kommen noch schnell mit einem Formular vorbei, Lehrende tauchen zwischen zwei Terminen auf, das Telefon klingelt, Mails laufen ein. Mittendrin: drei Menschen, die den Überblick behalten: Frauke, Heike und Susanne sind das unsichtbare RückgratStudiengangs. Sie kennen Abläufe, Stolperstellen, die Eigenheiten und die Menschen, die hier studieren. Im Interview geben sie Einblicke in ihren Arbeitsalltag.

Wenn ihr euren Job jeweils in drei Worten beschreiben müsstet – welche wären das?

HeikeOh Gott … chaotisch, organisationslastig und flexibel.

FraukeVielseitig, kommunikativ und lebendig.

Susanne Ich würde auch sagen: vielseitig und lebendig. Es passiert wirklich viel gleichzeitig.

 

Wie würdet ihr einen ganz normalen Arbeitstag bei euch beschreiben?

FTypisch ist erstmal, dass man nichts von dem schafft, was man sich vorgenommen hat. (lacht) Wirklich. Du kommst morgens rein, hast einen Plan und dann passiert etwas, das alles durcheinanderwirbelt.

S Genau. Es kommen ständig Dinge gleichzeitig rein. E-Mails, Studierende stehen plötzlich im Büro, irgendwo klemmt eine Anmeldung oder ein technischer Prozess.

H Und trotzdem versuchen wir, freundlich zu bleiben und den Leuten positiv zu begegnen. Das ist mir wichtig.

F Unsere Arbeit spielt auf so vielen Ebenen. Wir bedienen Studierende, Lehrende, Verwaltung, externe Stellen und überall laufen Fäden zusammen. Wir sind wie eine Art Schaltzentrale des Studiengangs, für Bachelor und Master.

H Und vieles ist wirklich Kernorganisation: Prüfungslisten erstellen, Kolloquien organisieren, Abgaben koordinieren. Eine Menge Dinge müssen vorgeplant werden, und dann läuft der Tag trotzdem ganz anders.

„Während Corona war es hier wie ausgestorben.“

Wie wichtig ist euch der direkte Kontakt zu den Studierenden?

F Sehr wichtig. Ich habe während Corona hier gearbeitet, bin nicht ins Homeoffice gegangen. Aber der Campus war leer, und das war richtig merkwürdig. Also: Ihr Studierenden habt uns damals echt gefehlt.

H Bei mir ist der Kontakt auch das, was ich am Job gerne mag. Ich bespreche viele Dinge lieber persönlich als per E-Mail.

S Ich finde die Studierenden unglaublich offen. Die Allermeisten sind superfreundlich und interessiert. Ich war total geflasht von der ersten Werkschau, die ich hier miterlebt habe. Was da entsteht, ist wirklich beeindruckend.

 

Gibt es typische Situationen oder Fragen, die immer wiederkommen?

H Ja. Wenn Dinge fünfmal erklärt werden müssen, obwohl es schon in Mails steht – das ist manchmal anstrengend.

F Ich sag’s mal ehrlich: Man fragt sich manchmal wirklich, ob alle lesen können. (lacht)

S Das ist aber nicht nur bei Studierenden so! Auch Professor:innen oder andere Abteilungen beantworten oft nur die erste von drei Fragen in einer Mail.

F Und dann gibt es die andere Seite: Studierende, die supermitdenken, konstruktiv sind, uns Hinweise geben, wenn Dinge klemmen. Das ist total wertvoll.

 

Welche Aufgaben gehören neben dem Tagesgeschäft besonders zu euren Verantwortungsbereichen?

H Ich betreue die Bachelor-Absolvent:innen, das Prüfungssystem, die Planung der Kolloquien, und ich mache den kompletten Innen- und Außenauftritt des Studiengangs. Also Veranstaltungen wie Werkschau, akademische Feier, Begabtenprüfung. Dazu kommen Events wie der DDC.

FBei Susanne und mir liegt die Betreuung des Masters mit allen prüfungsrelevanten Bereichen und die Organisation der Lehrbeauftragten und Tutor:innen: Verträge, Formulare, Fristen. Wir hatten früher über 40 Lehraufträge gleichzeitig – jetzt sind es weniger, aber immer noch viele.

S Dazu begleiten wir im Kompass die Umsetzung der neuen Prüfungsordnung. Wir schauen, ob alles eingetragen ist, helfen, wenn etwas hängt, vermitteln zwischen allen Beteiligten und unterstützen Lehrende, wenn sie technisch nicht weiterkommen.

Und manchmal tauchen Sonderfälle auf – ein ehemaliger Student brauchte neulich für seine Promotion eine Leistungsbewertung aus seinem Abschlussjahr 2003. Da steigen wir dann wortwörtlich hinunter in den Archivraum und suchen händisch Ordner mit Zeugnissen durch.

„Viele denken, wir seien Verwaltung – dabei kommen wir alle aus kreativen Ecken.“

Viele Studierende wissen gar nicht, welchen beruflichen Hintergrund ihr habt. Wollt ihr darüber etwas erzählen?

H Ich komme aus dem Industriedesign, habe in Berlin studiert, war lange im Projektmanagement und auch im Hochschulkontext tätig, unter anderem in der Öffentlichkeitsarbeit. Design und Organisation gehören für mich zusammen.

F Ich komme aus der Selbstständigkeit als Goldschmiedin und Künstlerin. Parallel habe ich in Eventagenturen gearbeitet und viel Büroarbeit gemacht. Über eine Schwangerschaftsvertretung bin ich erst bei der Informatik gelandet – und wurde dort praktisch sofort gefragt, ob ich nicht ins Sekretariat von KD & IA wechseln möchte. Das passte einfach, weil ich diesen kreativen Hintergrund habe.

S Ich habe BWL studiert, war im Marketing, später fünf Jahre in Barcelona und danach viele Jahre im Projektmanagement bei Fuenfwerken. Ich fand Hochschule schon immer spannend, wegen der jungen Leute, die hier in ihre eigenen Wege starten. Als ich die Stelle gesehen habe, habe ich mich gleich beworben.

S Ich glaube, es hilft sehr, dass wir alle einen Bezug zur Kreativbranche haben. Man versteht besser, wie die Studierenden ticken – und auch, dass kreative Prozesse Zeit brauchen und oft nicht linear sind.

 

Was macht für euch den besonderen Reiz eures Jobs aus?

H Ganz klar: die Arbeit mit den Studierenden. Zu sehen, wie jemand über mehrere Semester wächst, wie sich Haltung und Arbeit verändern – das macht Freude.

FGenau! Und für mich sind auch die Abschlussmomente besonders. Die Werkschau und die Akademische Feier, die glücklichen, stolzen Absolvent:innen und das gemeinsame Feiern des Erreichten.

S Für mich ist es die Atmosphäre: bunt, nicht immer strukturiert, aber unglaublich lebendig.

 

Was würdet ihr euch für die Zukunft im Studiengang oder an der Hochschule wünschen?

H Mehr Eigenständigkeit. Weniger Reglementierung. Mehr Verständnis dafür, wie Designer:innen arbeiten – flexibel, prozesshaft, mit viel Austausch.

F Und bessere Kommunikation. Wir treffen uns zu selten wirklich informell im Team. Viele kleine Missverständnisse würden sich lösen, wenn man fünf Minuten miteinander spricht.

SAusreichend finanzielle Mittel wären wichtig. Vor allem für die Qualität der Lehre. Und es wäre gut, sich stärker mit anderen Studiengängen auszutauschen: Wie organisiert ihr Dinge? Was funktioniert besser?

F Grundsätzlich wünsche ich mir mehr Zeit miteinander – Studierende, Lehrende, wir im Sekretariat. Das ist im Hamsterrad oft verloren gegangen.

Frauke, du wirst Ende Januar 2027 aufhören. Wie fühlt sich das an?

FGut! Die Zeit hier war sehr bereichernd für mich und jetzt habe ich große Lust auf Veränderung. Ich gehe sozusagen mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Die kreativen Studies und das Team werden mir fehlen, aber ich freue mich sehr darauf, wieder mehr Zeit für meine Passion zu haben, im Schmuck abzutauchen und wieder mehr zu reisen.

S Und wir hoffen natürlich, dass du uns trotzdem noch bei der Werkschau besuchst.

F Klar, selbstverständlich.

 

Was möchtet ihr den Studierenden mitgeben?

F Seid neugierig. Traut euch. Probiert aus.

S Und lest eure E-Mails.

H Und übernehmt Verantwortung für euren eigenen Weg.

Fotos: Luise Weinz, Aron Hahn, Anna-Kalliopi Zachariadis